Lemmy statt Rembrandt! Investieren in Rock?

Mit Blick auf die Albenverkäufe über alle Genre im Land wird schnell klar, dass mit dem reinen Verkauf von Musik nicht mehr viel Umsatz gemacht wird. In meinem Blogbeitrag „Was darf ein Konzert eigentlich kosten“ bin ich schon auf die kreativen Wege eingegangen, mit dem die Musiker an das Geld der Fans kommen. Laut eines 2013 erschienen Artikels des Fachmagazins „Musikermarkt“ gab es zu dem Zeitpunkt allerdings eine Umsatzsteigerung von knappen 50 Prozent, der aus dem Bereich Metal und Rock generiert wurde. Mit Streamingdiensten und CD-Verkäufen wird man heute kein Millionär mehr. Das Geschäft verlagert sich. Schaut man in die Richtung „gute, alte Schallplatte“, wundert man sich schon. Der Markt „Vinyl“ erlebt eine Renaissance. Wer eine Plattenpressmaschine hat, kann sich über eine 24 Stundenauslastung freuen.

Guten Zuwachs gibt es auch im Merchandising-Bereich. Erstaunlich, wieviel Geld für Konzerte, Band-Shirts, Hoodies, Aufnäher und andere Fan- und Sammlerstücke ausgegeben wird.

Black Sabbath Tour-Shirt

Und noch viel erstaunlicher, wie sich die Preise entwickeln.

Du wirst überrascht sein, welche Beträge für alte Sammlerstücke aufgerufen werden. Neulich bekam ich ein originales Ticket vom legendären Woodstock-Festival angeboten. Das gut erhaltene Stück befand sich in einem ca. 30 x 40 cm großen Rahmen mit einem originalen Gitarrenplektron sowie einem Fetzen Stoff des Stirnbandes von Jimi Hendrix. Und jetzt denk mal kurz darüber nach, was sowas wohl kosten kann… 3 – 2 – 1: Der Händler rief dafür entspannte 16.500 US$ auf.

Ein originales Autogramm der Beatles wird teils für tausenden von Euro gehandelt. Wenn es eine nachvollziehbare Historie gibt!

KISS haben vor einige Jahre eine Auktion Ihrer Bühnenausstattung und Instrumenten durchgeführt. Dort wurde unter anderem die Raketen schießende Gitarre von Ace Frehley für satte 40.000 US$ versteigert. Erstpressungen von Schallplatten bringen heute durchaus hunderte, wenn nicht gar tausende Euro von Hardcore-Fans. Der „heilige Gral“ für Iron Maiden-Fans ist zum Beispiel die Single „The Soundhouse Tapes“. Die Single aus dem Jahre 1979 wurde damals nur 5.000 mal gepresst. Heute wird sie nicht unter 750 Euro gehandelt. Es gibt inzwischen mehr Fakes als Originale. Damals konnten Fans das Stück Vinyl für fünf Pfund in England bestellen.

Egal, welches Teil „Rock-Geschichte“ der Fan oder Sammler am Ende kauft. Er wird es mit tiefster Leidenschaft tun und die „Beute“ sehr wahrscheinlich irgendwo gut sichtbar in der Wohnung platzieren. Sei es im Regal, an der Wand oder wo auch immer. Das Hard Rock Cafe für Zuhause. Muss ja nicht immer ein Kunstdruck sein.

Statt Picasso! Metal-Gitarren

Ich hab einen Picasso an der Wand! Ach ja? Bei mir hängt ein Lemmy-Bass. So oder ähnlich könnte Gespräche ablaufen. Aber:

Lohnt es sich in, Rock-Memorabilia zu investieren?

Die Frage ist gleichzusetzen mit: Lohnt es sich in Kunst zu investieren? Die Antwort kann in meinen Augen eigentlich nur sein: Kommt darauf an….

Was kann man also tun, um nicht nur ein schönes Instrument eines Gitarristen an der Wand hängen zu haben, sondern auch ein rentables Invest zu tätigen?

Originalpressung Paranoid von Black Sabbath, handsigniert von Ozzy Osbourne

Originalpressung Paranoid von Black Sabbath, handsigniert von Ozzy Osbourne

Erstmal solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass die weltweite Zielgruppe für mögliche, spätere Verkäufe sicherlich nicht an jeder Ecke zu finden ist. Es ist schon sehr speziell, einen zum Beispiel gespielten Drumstick, bestenfalls noch von Künstler signiert, zu verkaufen. Allerdings: Es gibt sie, diese Spezialisten! Du musst sie nur kennen und finden.

Gute Erfahrungen habe ich in Finland, Spanien und den USA gemacht. Ebenfalls für mich überraschend: Nach Saudi-Arabien habe ich vor zirka fünfzehn Jahren mal eine Metallica-Gitarre verschickt. Und ein ca. 2002 aus den USA für schmales Geld importierter und nach Köln verkaufter original KISS Gene Simmons-Punisher Bass lief mir vor einigen Monaten auch wieder über den Weg. Der damalige Verkaufswert hatte sich mehr als verdreifacht. Hoffte der Verkäufer zumindest.

Metallica S & M - ESP Guitar

Metallica ESP Gitarre, handsigniert beim legendären S & M – Konzert 1999 in Berlin. Inzwischen irgendwo in Saudi Arabien.

Selbst wenn Du bedenkst, dass es heute Social Media-Plattformen und Foren gibt. So einfach ist es irgendwie auch nicht. Wenn Du also Deine Zielgruppe gefunden hast, die das Stück erstmal grundsätzlich interessiert, gibt es zwei Preise: Deinen und den des Interessenten. Beide liegen häufig Welten auseinander, da solche Sammlerstücke nie einen realen Wert des ursprünglichen Produktes haben. Und vergleichbar mit anderen Produkten   sind sie auch nur selten. Denk an die Single für 750 Euro oder das gerahmte Stirnband und Plektron für über 16.000 Dollar.

Anhand des Beispiels „Ozzy Osbourne“ versuche ich das Thema mal zu erklären.

Ozzy Osbourne - Zakk Wylde signiert

Signiertes Foto Ozzy Osbourne und Zakk Wylde mit drei Bullseye-Gitarren

Worauf solltest Du also achten und warum kann der Preis steigen?

  • Um welchen Künstler handelt es sich? A-,B-,C-Promi?
  • Ist der Künstler noch aktiv?
  • Lebt er noch?
  • Wie alt ist der Musiker oder die Band?
  • Wie groß ist die Fanbase?
  • Welches Alter hat die Fanbase?
  • Welche Projekte gibt es rund um den Künstler?
  • Welche anderen Künstler sind nah an dem Promi / der Band dran?

Ozzy singt bekanntlich nicht nur solo, ursprünglich ist er Sänger von Black Sabbath. Das bedeutet, der aus Birmingham stammende Rocker hatte seit Gründung der „Polka Tulk Bluesband“ im Jahr 1968, die sich ein Jahr später in BLACK SABBATH umtaufte insgesamt 48 Jahre Zeit, bekannt zu werden. Geschafft hat er es mit unzähligen  Eskapaden grandios. Ob kolportiert wird, dass er einer Taube auf der Bühne einen Kopf abgebissen hat, er mal wieder zugedröhnt durch L.A. gelaufen ist oder seine Frau Sharon mit der Friseuse betrogen hat. Ozzy ist und bleibt Ozzy. Für mich ein liebenswert, durchgeknallter 100 Prozent-Rocker!

Was also kannst Du Dir von Ozzy oder den Musikern seiner Bands an Memorabilia besorgen?

Angefangen bei Autogrammkarten, signierten CD oder LP habe ich mich in meiner langjährigen Sammlerkarriere auf signierte und gespielte Instrumente spezialisiert. Nun magst Du vielleicht glauben, man kauft eine Gitarre, rennt zum nächsten Konzert und hofft, den Künstler zu treffen. Alternativ hast Du ein Meet & Greet gebucht und bist von wenig bis eine ganze Menge Kohle los, um wenigstens garantiert den Musiker zu treffen. Kann man machen, kann aber auch derbe in die Hose gehen. Warum? Da gibt es viele Möglichkeiten. Von „Künstler signiert überhaupt nicht mehr,“ (aktuell Axl Rose) über „hier kommen keine Instrumente rein“ (Festivals) über „Ich spiel jetzt für die Firma xyz, da signiere ich Deine von ABC nicht!“ gibt es eine Vielzahl an Gründen, die Dir um die Ohren fliegen können.

Als preiswerteste Variation bietet sich das „signierte Pickguard“ an. Der Sammler oder Händler geht mit dem abgebauten Schlagbrett einer Billigst-Gitarre (meist eine Strat- oder Les Paul-Form) zum Künstler und lässt sich das Teil signieren. Die Instrumente gibt´s ab 80 Euro an jeder Ecke zu kaufen. Selbst bei Lidl tauchen sie gelegentlich auf. Zuhause wird es auf die Gitarre geschraubt und schon hast Du eine „handsignierte XYZ-Gitarre“. Sicherlich eine Möglichkeit, aber eher die sparsame Variante. Um wieder auf die Kunst zu kommen: Ist wie ein „Bravo“ Poster, was der Künstler unterschrieben hat. Sollte es trotzdem eben diese Gitarre sein müssen (aus finanzieller Sicht oder weil Du sie eh nicht spielst, sondern „nur“ an die Wand hängst), achte wenigstens darauf, dass jemand in der Band diese Bauform und Farbe spielt und dann lass sie auf dem Korpus unterschreiben! Das sagt zumindest aus, dass Dein Idol die Klampfe mal in der Hand hat.

Eine deutlich bessere Variante ist sich vorher zu erkundigen, welche Instrumentenformen in einer Band gespielt werden. Im Rock und Metal sind es meist die klassischen Formen der Stratocaster oder Les Paul, Explorer, SG und Flying V. Die Marken variieren. Ob die Instrumente dann von Fender, Gibson, ESP, PRS, Ibanez oder wem auch immer sind, entscheidet der Geldbeutel und wie nah Du an das Original heran möchtest.

Bei Ozzy gibt es mehrere Möglichkeiten, an einen Picasso-Ersatz in Form einer Gitarre zu kommen. Es gibt mehrere Bands und Gitarristen.

Neben Tony Iommi und Zakk Wylde ist noch Gus G., der Wylde 2009 bei Osbournes Solo-Band ersetzte, interessant.

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GUS G. ESP – im Original gute 6.000 Euro. Das Signature-Modell gibt´s auch von ESP LTD für 600 Euro.

Alle drei spielen Gitarren mit eigenen Designs, haben aber auf der Bühne auch die oben erwähnten klassischen Formen. Gus G. antwortete mal auf meine Frage wieviele Gitarren er habe: „Eher wenig. Um die vierzig sollten es sein“.

Zakk Wylde spielte jahrelang eine Les Paul „Bullseye“, „Carmouflage“ oder die „Rebel“ mit Südstaaten-Flagge. Teilweise griff er auch auf andere Modelle zurück, das Bullseye-Design entwickelte sich allerdings schnell zu seinem Markenzeichen. Aufgrund des ausgefallenen Designs und einer offensichtlichen Nachfrage am Markt kam die Axt dann relativ schnell in den Custom-Shop. Hersteller Gibson, für den Wylde zu dem Zeitpunkt spielte, bot dem geneigten Käufer eine Zakk Wylde Signature-Serie an. Da die Produktion aufgrund eines Modell und Markenwechsels bei Wylde eingestellt wurde, sind entsprechende Sammlerstücke heute mit Glück ab 1.200 Euro zu bekommen. Als eine preiswertere Version gibt es von den großen Hersteller eine Zweitmarke oder einen Lizenznehmer, der dann die Gitarren preiswerter in Asien produziert. Im Falle von Gibson ist es Epiphone. Einen ausführlichen Vergleich von Gibson zu Epiphone findest Du hier im Video.

Wenn Du die Bullseye eher als schickes, hochwertiges Deko-Objekt oder zum Spielen möchtest und nicht als riesen Invest, empfehle ich die sehr hochwertig ausgestattet Variante aus dem Epiphone Custom Shop. Bullseye-Design, EMG-Pickups und Gold-Hardware. Der Unterschied zur Gibson sind u. a. natürlich in der Technik, im Holz und damit also im Klang zu finden. Nicht, dass die Epi schlecht klingt. Ganz im Gegenteil! Sie ist die perfekte Wylde-Axt für den semi-professionellen Gitarristen mit beschränktem Budget. Außerdem ist die Gibson in rein Weiß und die Epiphone in Elfenbein lackiert, was sie auch für den Nicht-Musiker leichter unterscheidbar macht.

Zakk Wylde Bullseye Epiphone

Damit hängt also schonmal eine lizensierte und offizielle Gitarre Deines Lieblingskünstlers an der Wand. Wie kannst Du den Wert nun steigern, statt der Inflation in die Hände zu spielen?

Das Teil muss vom Künstler signiert werden!

Sollte die Band oder der Künstler also während der Tourneen kein Meet & Greet anbieten, solltest Du entweder gute Kontakte oder eben sehr, sehr viel Zeit und Glück haben. Wenn Du zum Beispiel vor der Halle wartest, fährt der Tross Limousinen die Band gerne mal an Dir vorbei. Zum Bühneneingang kommst Du an den großen Hallen und Arenen eh meist nicht. Bleibt also noch die Möglichkeit, an kleinen Clubkonzerten teilzunehmen. Manchmal klappt es, meist aber nicht. Solltest Du nun doch aus irgendeinem Grund eine Signatur auf dem Korpus haben, macht es Sinn, ein Foto von dem Augenblick oder mit Dir, dem Gitarristen und bestenfalls der Gitarre zu machen. Damit hast Du also auch Deinen garantierten Echtheitsbeweis. Status: Artist-Gitarre mit original Autogramm. Preissteigerung? Je nach Musiker gute 100 % und mehr.

BC Rich - Epiphone Bullseye

Not bad. Aber warum nicht noch einen drauflegen?

Da wir von dem Gitarristen von Ozzy Osbourne sprechen, wäre es doch sensationell, wenn er die Gitarre auch noch signieren könnte… Du ahnst es schon! Kontakte oder viel, viel Zeit! Womit Du beim nächsten Problem bist: Einige Bands sind auf Abschiedstour oder aber haben diese schon hinter sich. Da nützen weder Zeit noch Kontakte was. Du kannst lediglich versuchen, jeden Künstler einer Band einzeln zu treffen.

Ich sag´s mal so: Vergiss es!

Alle Musiker aus einer Band in einzelnen Sessions auf die Gitarre zu bekommen, ist nahezu aussichtslos. Ozzy allerdings wäre noch zu treffen. Was der Spaß kostet, kannst Du in meinem Artikel „Was darf ein Konzert eigentlich kosten?“ nachlesen. Dummerweise ist er aber gerade nicht als „Ozzy“ solo unterwegs, sondern mit Black Sabbath. Bringt Dir also „nur“ eine Ozzy-Signatur – was den Wert allerdings nochmals um gute 100 Prozent steigern kann. Den Rest der Band hast Du damit immer noch nicht. Da macht es dann vielleicht doch Sinn, eine Tony Iommi SG Epiphone zu kaufen und sie gleich für viel Geld bei und von Black Sabbath signieren zu lassen. Die allerdings bringt dann in ein paar Jahren mit Glück ein paar tausend Euro mehr. Und das auf der Basis des Preises in Höhe von zur Zeit knapp unter 700 Euro. Plus Meet and Greet.

Die Königsdisziplin ist ein originales Instrument vom Künstler selbst zu bekommen. Das ist bei dem einen oder anderen noch aktiven Musiker inzwischen möglich. Auch hier ist also eine neue Variante des Geldverdienens möglich.

Accept Drumset

Original Drumset von ACCEPT (Copyright: Foto by Wolf Hoffmann / Accept)

Vor wenigen Tagen bekam ich das Angebot, ein originales ACCEPT-Drumset direkt von Wolf Hoffmann zu kaufen. Der Preis war absolut in Ordnung und nicht im Ansatz zu teuer. Allerdings lebt Wolf in Nashville. Ergo kommt zum Kaufpreis nicht nur die Fracht, sondern gleich noch eine Menge anderer Kosten auf Dich zu. Diese kannst Du bei Käufen aus den USA und anderen Nicht-EU-Ländern wie folgt berechnen:

Warenwert + Versand + 3,7 % Zoll + 19 % Einfuhrumsatzsteuer. Demnach bezahlst Du für eine Gitarre im Wert von 1.000 Euro + angenommenen 80 Euro Versand dann insgesamt gute 1.330 Euro. Ob sich das im Vergleich zu den in der EU angebotenen Instrumenten lohnt, musst Du selbst entscheiden. Bei einem kompletten Drumset wirst Du aber sicherlich nicht mit günstigen Versandkosten rechnen können.

Der Musiker bietet das Instrument seiner Artistserie in signierter und auf der Bühne gespielten Version an. Du kannst vorgeben, wie der Text sein soll und meist finden die Übergaben im Rahmen eines Meet und Great vor oder nach einem Konzert statt. Unter 5.000 Euro habe ich bisher die wenigsten und eher seltenen Angebote gesehen. Die Kollegen von KISS zum Beispiel sind je nach Art des Instrumentes mit bis zu 7.500 US $ bereit, Dir eins davon persönlich zu übergeben. Bekannte Instrumente von verstorbenen Künstlern erzielen Rekordpreise.

Original Verkaufsprospekt von Gene Simmons Punischer Bass. Original Verkaufsprospekt von Gene Simmons Punischer Bass

Eine aus John Lennon Besitz stammende Akustikgitarre erzielte im Jahr 2015 den astronomischen Betrag in Höhe von 2.4 Millionen Dollar. Der Verkäufer hatte sie 1969 für 175 Dollar gekauft. 

Wusstet Du, dass Otto Walkes Beatles Albencover gemalt hat?

Wusstet Du, dass Otto Walkes Beatles Albencover gemalt hat?

Es muss aber nicht immer das Instrument sein. Auch Bilder (siehe Udo Lindenberg), Zeichnungen oder eben Autogramme in jeglicher Form können irgendwann einmal ein Vermögen wert sein. Und wenn Du es in erster Linie für Dich kaufst, musst Du selbst entscheiden, was Du möchtest. Hauptsache, es ist echt und Du bist damit glücklich!

Wenn Du Dich für signierte Memorabilia interessierst, empfehle ich einen Blick auf die Seite www.rock-your-home.de mit dem Service, Dir entsprechende Instrumente, Autogramme oder Einrichtungsgegenstände zu besorgen.

Rock`n´Roll

Tippi

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