Dead Rock Heads Alive – by Rockcast.de – Folge 1 mit John Lennon

Rockgeschichte trifft Kunst. Mit John Lennon starten Ole Ohlendorff und Tippi ihre neue gemeinsame Rockcast-Reihe. Im Mittelpunkt stehen Musiker, die Ole gemalt hat, ihre Lebensgeschichten und die Frage, was sie bis heute mit uns verbindet.

John Lennon ist seit 1980 tot. Seine Musik lebt weiter. Und auch in der Kunst von Ole Ohlendorff nimmt der Beatles-Gründer einen besonderen Platz ein. Lennon war 1996 der erste Musiker, den der Künstler für seine Serie Dead Rockheads auf die Leinwand brachte. Fast 30 Jahre später bildet dieses Bild den Ausgangspunkt für ein neues gemeinsames Projekt mit Rockcast-Macher Tippi.

Unter dem Titel Dead Rock Heads Alive sprechen die beiden künftig regelmäßig über Musiker, ihre Musik und die Geschichten hinter Oles Bildern. Geplant ist eine neue Folge alle zwei Wochen. Pro Ausgabe stehen ein oder zwei Künstler im Mittelpunkt. Den Auftakt macht John Lennon. Und das ist kein Zufall.

John Lennon und ein Yellow Submarine

Die Geschichte beginnt lange vor dem ersten Pinselstrich. Ole Ohlendorff erinnert sich an Weihnachten 1970. Damals bekam er von seinen Eltern ein großes Puzzle mit dem Motiv des Beatles-Films Yellow Submarine. Die Beatles waren ihm aus dem Radio bereits bekannt. Doch das Puzzle weckte seine Neugier auf die Band und ihre Welt.

Jahre später führte ihn eine Reise nach London noch tiefer in die Geschichte der Fab Four. 1995, auf dem Weg ins neue Jahr, erkundete Ole die Stadt und folgte den Spuren der Beatles. Abbey Road, Carnaby Street und die Atmosphäre der britischen Musikgeschichte hinterließen ihre Wirkung.

Zurück in Deutschland hörte er Beatles-Musik in seinem Atelier. Daraus entstand der Impuls, John Lennon zu malen. Am 26. Februar 1996, Oles Geburtstag, begann die Arbeit. Fertig war das Bild am Ostermontag desselben Jahres.

Aus einem Musikerporträt wurde der Anfang einer ganzen Serie.

Vom Polizisten zum Künstler

Oles Weg in die freie Kunst verlief nicht geradlinig. Er arbeitete unter anderem als Polizist auf der Davidwache in Hamburg und sammelte Erfahrungen in verschiedenen Berufen. In den 1980er-Jahren begann er intensiver zu zeichnen. 1990 entschied er sich endgültig für die freie Kunst.

Die Rockmusik begleitete ihn dabei von Anfang an. Sie lieferte ihm Themen, Erinnerungen und persönliche Bezugspunkte. John Lennon wurde zum ersten Künstler, mit dem sich diese Verbindung auf der Leinwand zeigte.

Heute umfasst die Serie Dead Rockheads nach Oles Angaben 182 Musikerporträts. Dazu gehören Größen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison.

Wie aus einzelnen Bildern eine Serie werden sollte, erkannte Ole zunächst selbst nicht. Erst seine Frau Martina brachte den entscheidenden Gedanken ins Spiel. Bei einem Rundgang durch eine Ausstellung stellte sie fest, dass die Musikerporträts zusammengehörten. Damit war die Serienidee geboren.

Ole malt keine Plattencover

Wer Oles Bilder betrachtet, erkennt bekannte Gesichter. Doch ihm geht es nicht darum, eine Fotografie möglichst exakt auf die Leinwand zu übertragen.

„Ich male keine Plattencover. Ich male Menschen“, lautet der zentrale Gedanke hinter seiner Arbeit.

Ole beschäftigt sich intensiv mit dem jeweiligen Musiker. Er hört dessen Musik während des Malens oft in Endlosschleife. Dazu kommen Recherchen, persönliche Erinnerungen und Gespräche mit Menschen, die den Künstler erlebt haben oder seine Geschichte kennen.

Hamburg spielt dabei eine besondere Rolle. Die Stadt war für die Beatles ein wichtiger Ort in ihren frühen Jahren. Ole traf Zeitzeugen und Wegbegleiter, darunter den Star-Club-Fotografen Günter Zinth, den Musiker und Beatles-Kenner Ulf Krüger sowie den Hamburger Künstler Erwin Ross, der als „Rubens von der Reeperbahn“ bekannt war. Auch der Fotograf Robert Günther gehört zu den Gesprächspartnern, deren Erinnerungen in Oles Arbeit einfließen.

So entsteht ein Bild aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Musik gibt den Rhythmus vor. Die Recherche liefert den Hintergrund. Und der Malprozess entwickelt daraus eine eigene Geschichte.

John Lennon: Öl, Collage und persönliche Erinnerungen

Das Lennon-Porträt zeigt den Musiker mit seiner Gitarre und seiner charakteristischen Brille. Doch das Bild besteht aus mehr als dem Gesicht eines bekannten Rockstars.

Ole arbeitete mit Öl und Collage. Das Yellow Submarine findet sich ebenso auf der Leinwand wie Lennons Todesdatum, der 8. Dezember 1980, und ein Zeitungsausschnitt des britischen Daily Mirror, der am folgenden Tag über den Mord an Lennon berichtete. Ein rotes Einschussloch gehört ebenfalls zur Bildgestaltung.

Die einzelnen Elemente stehen für verschiedene Kapitel aus Lennons Leben. Sie verbinden Oles persönliche Erinnerungen an die Beatles mit der historischen Bedeutung des Musikers.

Auch die Entwicklung Lennons spielte bei der Arbeit eine Rolle. Aus den frühen Jahren mit den Quarrymen und den Beatles führte sein Weg über musikalische Experimente bis zu einer eigenständigen Solokarriere. Songs wie „Instant Karma!“, „Working Class Hero“ und „Imagine“ zeigen unterschiedliche Seiten seiner Persönlichkeit.

Ole beschreibt Lennon als eine vielschichtige Figur, deren Bedeutung weit über die Beatles hinausreicht. Für ihn gehört Lennon zu den prägenden Wurzeln der Rock- und Popmusik.

Ein Song begleitete ihn beim Malen besonders: „Come Together“. Für Ole steckt darin auch eine Botschaft, die über die Musik hinausgeht. Menschen zusammenzubringen, statt neue Grenzen zu ziehen, ist ein Gedanke, der für ihn bis heute Bedeutung hat.

Dead Rockheads und Rock Legends Alive

2013 erweiterte Ole sein Konzept. Neben den verstorbenen Musikern der Dead Rockheads begann er, noch lebende Künstler zu porträtieren. Die neue Reihe heißt Rock Legends Alive.

Beide Serien unterscheiden sich auch im Format. Die Dead Rockheads messen 80 mal 130 Zentimeter. Die Rock Legends Alive sind einen Meter breit und 1,40 Meter hoch. So bleiben die beiden Werkgruppen auch bei gemeinsamen Ausstellungen klar voneinander getrennt.

Paul McCartney ist ein besonders passendes Gegenstück zu John Lennon. Beide verbindet die Geschichte der Beatles und eine der bekanntesten Songwriter-Partnerschaften der Musikgeschichte. Ole hat beide Musiker gemalt, allerdings in unterschiedlichen Serien.

Beim Porträt McCartneys verarbeitet er ebenfalls aktuelle Geschichte. Eine Collage mit dem britischen Union Jack und dem Schriftzug „Brexit“ verweist auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Ein ausgestreckter Mittelfinger ergänzt das Motiv.

Auch hier geht es Ole nicht um ein glattpoliertes Abbild. Er möchte die Spuren des Lebens zeigen. Gesichter sollen Erfahrungen erkennen lassen. Seine Bilder dürfen Ecken, Falten und Widersprüche haben.

Die Unterscheidung zwischen lebenden und verstorbenen Musikern ist für ihn mehr als eine Frage der Zuordnung. Ole berichtet, dass er Künstler nach ihrem Tod nicht einfach aus der Alive-Serie in die Dead Rockheads verschiebt. Wenn er einen Musiker nach dessen Tod erneut porträtiert, entsteht ein neues Bild. Denn nun rückt die Vergänglichkeit in den Mittelpunkt.

Erinnerung braucht keinen Grabstein

John Lennon wurde am 8. Dezember 1980 in New York ermordet. Eine konkrete Grabstätte, an der Fans seine sterblichen Überreste besuchen können, gibt es nicht. In New York erinnert Strawberry Fields im Central Park an ihn. Die Gedenkstätte ist eng mit dem Song „Imagine“ verbunden.

Für Ole liegt Lennons bleibende Bedeutung ohnehin nicht an einem bestimmten Ort. Entscheidend ist die Musik und das, was sie bei Menschen auslöst. Auch jüngere Generationen reagieren auf die Beatles, wenn sie deren Songs hören.

Genau diese Verbindung zwischen Musik, Erinnerung und Gegenwart macht Oles Arbeit aus. Die Porträts sind für ihn persönliche Hommagen an Künstler, die ihn über viele Jahre begleitet haben. Sie haben ihn getröstet, begeistert und durch unterschiedliche Lebensphasen getragen.

Seine Bilder versteht er als Dankeschön an diese Musiker. Er malt nicht wahllos jeden bekannten Namen. Die Künstler, die er auf die Leinwand bringt, haben für ihn eine persönliche Bedeutung.

Eine neue Reihe für Rockgeschichte und Kunst

Mit Dead Rock Heads Alive führen Ole Ohlendorff und Tippi diese Gedanken im Rockcast zusammen. Die neue Reihe verbindet die Geschichten großer Musiker mit Oles künstlerischer Arbeit. Dabei geht es um bekannte Songs, persönliche Erinnerungen, historische Hintergründe und die Frage, was ein Musiker für Menschen bedeuten kann.

Die erste Folge zeigt, wie viel Geschichte in einem einzigen Bild stecken kann. John Lennon steht für die Beatles, für musikalische Veränderungen und für eine Karriere, die weit über die gemeinsame Bandgeschichte hinausging. Gleichzeitig erzählt das Porträt von Oles eigener Entwicklung und vom Beginn einer Serie, die bis heute weiterwächst.

Weitere Musiker stehen bereits auf dem Programm. In der nächsten Folge geht es um zwei geschminkte Typen. Mehr verraten Ole und Tippi noch nicht.

Wer Ole Ohlendorff und seine Arbeit näher kennenlernen möchte, sollte auch den ersten gemeinsamen Rockcast hören. Dort erzählt Ole ausführlich von seinem Weg zur Kunst und von seinen Serien.

Den Auftakt zu Dead Rock Heads Alive bildet John Lennon. Die Reise durch Rockgeschichte und Kunst hat gerade erst begonnen.

Dead Rock Heads Alive mit Ole Ohlendorff und Tippi. Regelmäßig im Rockcast auf Rockcast.de.

Den ersten gemeinsamen Rockcast mit Ole findest du hier:

https://rock-music.net/ole-ohlendorff/

Danke für´s Lesen und Hören. Punkt!

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