WOA 2026: Uli Jon Roth & Mille Petrozza

Wenn du denkst, du hast schon alles gesehen, kommt eben doch wieder etwas Neues.

Uli Jon Roth bringt die frühen Scorpions nach Wacken. Ein Gitarrenmeister auf der Faster Stage

Uli Jon Roth feiert beim Wacken Open Air 2026 die frühen Scorpions. Mit Mille Petrozza, Frédéric Leclercq und einer Setlist voller Klassiker wurde der Auftritt auf der Faster Stage zu einem besonderen Programmpunkt.

Zwischen den zahlreichen Metal-Acts des Wacken Open Air 2026 wirkte dieser Auftritt fast wie eine kleine Zeitreise. Uli Jon Roth stand auf der Faster Stage und hatte sich für das Festival etwas Besonderes vorgenommen. Im Mittelpunkt stand das 50-jährige Jubiläum des Scorpions-Albums „Virgin Killer“, einem Meilenstein der frühen Bandgeschichte und gleichzeitig eines der prägendsten Werke seiner eigenen Karriere.

Für mich war dieser Auftritt gleich aus mehreren Gründen interessant. Zum einen wollte ich einen der einflussreichsten deutschen Gitarristen endlich einmal live erleben. Zum anderen hatte ich für dieses Konzert einen Fotopass für den Bühnengraben. Gerade bei einem Musiker wie Uli Jon Roth ist das eine Gelegenheit, die man nicht oft bekommt.

Als Konzertfotograf sind die großen Festivalbühnen allerdings nicht unbedingt meine erste Wahl. Zwischen Bühne und Fotograben liegen oft viele Meter, die Künstler nutzen die gesamte Bühnenbreite und mit einer zweistelligen Zahl an Fotografen im Graben bleibt nur wenig Raum für ungewöhnliche Perspektiven. Dafür bekommt man Motive, die es eben nur auf den großen Festivalproduktionen gibt.

Ein Stück Scorpions-Geschichte

Uli Jon Roth gehört zu den Musikern, deren Einfluss weit über die eigene Diskografie hinausreicht. Zwischen 1973 und 1978 prägte er den Sound der Scorpions entscheidend mit. Alben wie „Fly To The Rainbow“, „In Trance“, „Virgin Killer“ oder „Taken By Force“ genießen bis heute Kultstatus und beeinflussten Generationen von Gitarristen im Hard Rock und Heavy Metal.

Sein virtuoses Gitarrenspiel, die markanten Melodien und seine später entwickelte Sky Guitar machten ihn zu einem Musiker mit unverwechselbarem Stil. Dass Wacken ihm zum 50. Geburtstag von „Virgin Killer“ einen eigenen Slot widmete, passte deshalb hervorragend ins Festivalprogramm.

Ein Nachmittag für die Klassiker

Der Auftritt auf der Faster Stage begann am späten Nachmittag und zog von Beginn an zahlreiche Besucher an. Vor der Bühne standen nicht nur langjährige Scorpions-Fans, sondern auch viele jüngere Festivalgäste, die die Gelegenheit nutzten, einen Musiker live zu erleben, dessen Einfluss bis heute in zahllosen Bands hörbar ist.

Anstatt möglichst viele eigene Solostücke unterzubringen, konzentrierte sich Roth auf die frühen Scorpions-Jahre. Das Konzept ging auf. Die Zuschauer reagierten aufmerksam, spendeten nach den langen Gitarrensoli immer wieder Szenenapplaus und sangen bei den bekannten Refrains laut mit.

Kreator trifft Scorpions

Für zusätzliche Überraschungen sorgten prominente Gäste. Mille Petrozza ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Uli Jon Roth auf der Bühne zu stehen. Ebenfalls mit dabei war Kreator-Bassist Frédéric Leclercq. Gerade diese Kombination machte den besonderen Reiz des Auftritts aus. Hier trafen Musiker unterschiedlicher Generationen und Stilrichtungen aufeinander, verbunden durch den gemeinsamen Respekt vor einem Gitarristen, der den deutschen Hard Rock entscheidend geprägt hat.

Die Setlist

Der Schwerpunkt lag erwartungsgemäß auf den frühen Scorpions-Alben.

Pictured Life
Catch Your Train
In Your Park
Backstage Queen
Virgin Killer
Hell-Cat
Crying Days
Polar Nights
Yellow Raven
Sun In My Hand
We’ll Burn The Sky
The Sails Of Charon
In Trance

Die Auswahl zeigte eindrucksvoll, wie zeitlos viele dieser Songs geblieben sind. Gerade Stücke wie „Pictured Life“, „Virgin Killer“ oder „The Sails Of Charon“ gehören bis heute zu den beliebtesten Titeln der Uli-Jon-Roth-Ära.

Ein Auftritt, der aus dem Wacken-Programm herausstach

Während auf den anderen Bühnen Blastbeats, Growls und Pyro dominierten, setzte Uli Jon Roth auf musikalische Präzision und ausgedehnte Gitarrensoli. Genau das machte den Reiz dieses Konzerts aus. Es war kein Spektakel, sondern eine Hommage an eine Zeit, in der Gitarrenmelodien und Kompositionen im Mittelpunkt standen.

Auch das Publikum schien diesen Kontrast zu genießen. Viele Besucher blieben deutlich länger als ursprünglich geplant vor der Faster Stage stehen und spendierten der Band nach jedem Song kräftigen Applaus.

Fazit:

Nicht jeder Auftritt in Wacken lebt von Lautstärke oder einer spektakulären Bühnenshow. Uli Jon Roth zeigte eindrucksvoll, dass musikalische Klasse und ein Katalog voller zeitloser Songs auch fünf Jahrzehnte nach ihrer Entstehung funktionieren.

Für mich war der Auftritt gleichzeitig eine seltene Gelegenheit, einen der wichtigsten deutschen Gitarristen einmal aus nächster Nähe im Fotograben zu erleben. Auch wenn die großen Festivalbühnen fotografisch ihre Tücken haben, gehören genau solche Momente zu den besonderen Erinnerungen eines Wacken-Besuchs.

Danke für´s Lesen. Punkt!

 

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