Orden Ogan beim ElbRiot 2026

Power Metal zwischen Sonne, Wolken und Konkurrenz

Das ElbRiot 2026 hatte es in sich. Am 8. August verwandelte sich das Gelände am Hamburger Großmarkt wieder in einen Treffpunkt für Metal- und Rockfans. Powerwolf, Savatage, Thy Art Is Murder, Danko Jones, Warkings, Signs of the Swarm und Orden Ogan standen auf dem Programm. Dazu kam mit Mambo Kurt auf der neuen Beergarden Stage ein etwas anderes musikalisches Angebot.

Für mich gehörte Orden Ogan zu den Acts, auf die ich mich an diesem Tag besonders gefreut hatte. Und natürlich war die Kamera dabei. Aus dem Fotograben ließ sich die Energie der Band unmittelbar einfangen. Die Sauerländer Power-Metaller zeigten dabei einmal mehr, warum sie längst zu den festen Größen des europäischen Power Metal gehören.

Orden Ogan bringen den Großmarkt zum Beben

Orden Ogan haben sich über viele Jahre ihren eigenen Sound erarbeitet. Hymnische Melodien, harte Gitarren, große Refrains und eine ausgeprägte Vorliebe für konzeptionelle Welten gehören zum Markenzeichen der Band um Sänger und Gitarrist Sebastian „Seeb“ Levermann.

Alben wie „Easton Hope“, „To the End“, „Ravenhead“, „Gunmen“ und „Final Days“ haben der Band eine stetig wachsende internationale Fangemeinde eingebracht. Mit „Final Days“ schlugen Orden Ogan 2021 ein deutlich futuristischeres Kapitel auf. Das Album erzählte seine Geschichte in einer düsteren Science-Fiction-Welt und brachte Songs wie „Heart of the Android“ und „In the Dawn of the AI“ hervor.

2024 folgte „The Order of Fear“. Damit kehrte die Band wieder stärker zu ihrer bekannten Fantasy-Welt zurück. Der Titeltrack, „My Worst Enemy“ und „The Long Darkness“ zeigen, wie konsequent Orden Ogan ihren Stil weiterentwickelt haben.

Live funktioniert dieses Konzept besonders gut. Die Songs sind für große Bühnen geschrieben. Die Refrains funktionieren auch dann, wenn zehntausende Stimmen fehlen. Beim ElbRiot musste Orden Ogan allerdings nicht vor einem anonymen Festivalpublikum bestehen. Vor der Bühne standen zahlreiche Fans, die das Material kannten und entsprechend mitgingen.

Ein Festivalnachmittag mit besonderen Bedingungen

Der Hamburger Sommer zeigte sich am ElbRiot nicht von seiner ganz eindeutigen Seite. Zwischen sonnigen Phasen und Wolken blieb das Wetter angenehm für ein Open Air. Die Temperaturen bewegten sich in einem Bereich, der für Festivalbesucher und Musiker deutlich angenehmer war als die großen Hitzeperioden, die Hamburg in diesem Sommer ebenfalls erlebt hatte.

Für Fotografen sind solche Bedingungen ohnehin interessant. Harter Sonnenschein sorgt schnell für extreme Kontraste auf der Bühne. Wolken liefern dagegen ein deutlich gleichmäßigeres Licht. Genau diese wechselnden Bedingungen sorgten auch bei Orden Ogan für unterschiedliche Lichtstimmungen.

Das Festivalgelände am Großmarkt bleibt dabei eine der besonderen Open-Air-Locations Hamburgs. Zwischen Hauptbahnhof und Oberhafen gelegen, liegt das Gelände mitten in der Stadt. Rund 10.000 Besucher fasst die Fläche.

Das ist einer der großen Pluspunkte des ElbRiot. Du musst nicht stundenlang aufs Land fahren, um ein Metal-Festival zu besuchen. Du bist mitten in Hamburg und erreichst das Gelände mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Für das Geld bekam man viel geboten

Auch beim Preis hatte das ElbRiot in diesem Jahr ein Argument auf seiner Seite. Im Summer Deal waren Tickets für 66 Euro erhältlich. Der reguläre Preis lag bei 92,90 Euro.

66 Euro für ein Tagesfestival mit Powerwolf, Savatage, Thy Art Is Murder, Danko Jones, Orden Ogan, Warkings und Signs of the Swarm sind im aktuellen Festivalmarkt eine Ansage.

Hinzu kamen Mambo Kurt und die neue Beergarden Stage. Die Veranstalter hatten außerdem den kostenlosen ÖPNV innerhalb der HVV-Ringe A bis F für die An- und Abreise im Ticket integriert.

Gerade für Hamburger Besucher ist das ein Paket, das sich sehen lassen kann.

ElbRiot bekommt Konkurrenz

2026 hatte das ElbRiot allerdings ein Problem, das bei zukünftigen Ausgaben noch wichtiger werden dürfte.

Zeitgleich fand erstmals das Amplifire Festival in Hamburg statt. Das neue Festival belegte am 7. und 8. August das MS-Artville-Gelände in Wilhelmsburg. Mehr als 30 Bands spielten auf drei Bühnen. Musikalisch bewegte sich Amplifire zwischen Alternative Rock, Punkrock und Post-Hardcore.

Und das Line-up der Premiere konnte sich sehen lassen.

Am Freitag standen unter anderem Biffy Clyro, Frank Turner & The Sleeping Souls und The Get Up Kids auf dem Programm. Am Samstag kam mit Bad Religion sogar eine echte Punkrock-Institution nach Hamburg. Dazu spielten Turbostaat, High Vis, John Coffey, South Arcade, Blood Command und zahlreiche weitere Bands.

Damit gab es erstmals zwei große Rock- und Metal-Veranstaltungen praktisch am selben Wochenende in Hamburg.

Das ist für die Zuschauer zunächst eine gute Nachricht. Mehr Auswahl bedeutet mehr Musik. Für die Veranstalter sieht die Rechnung allerdings anders aus. Das Publikum teilt sich auf, ebenso Medien, Sponsoren, Helfer und Teile des verfügbaren Budgets.

Amplifire positioniert sich zudem nicht als klassisches Metal-Festival. Das Festival spricht eine jüngere und musikalisch breiter aufgestellte Rockszene an. Trotzdem gibt es Überschneidungen. Gerade Besucher, die sich zwischen Punk, Alternative, Hardcore und modernem Metal bewegen, hatten am 8. August die Qual der Wahl.

Die Frage nach 2027

Und damit stellt sich nach diesem ElbRiot eine Frage, die derzeit niemand beantworten kann: Geht es 2027 weiter?

Offiziell gibt es aktuell noch keine Ankündigung für ein ElbRiot 2027. Das fällt auf.

Das ElbRiot gehört seit 2013 zum Hamburger Festivaljahr und hat sich trotz Unterbrechungen als feste Größe etabliert. 2026 fand bereits die 13. Ausgabe statt, wenn man die einzelnen Festivaljahre zählt.

Dass wenige Tage nach der diesjährigen Ausgabe noch kein Termin und kein Line-up für 2027 veröffentlicht wurde, ist deshalb zumindest ungewöhnlich. Daraus lässt sich aber noch keine Absage ableiten.

Alles andere wäre an dieser Stelle Spekulation.

Es gibt allerdings einen neuen Faktor. Mit Amplifire hat Hamburg seit diesem Jahr ein weiteres Festival, das genau am selben Wochenende stattfindet. Die Premiere mit Bad Religion als Samstags-Headliner dürfte gezeigt haben, dass sich auch für dieses Konzept ein Publikum mobilisieren lässt.

Ob die zeitliche Überschneidung künftig bestehen bleibt, ob eines der Festivals den Termin verschiebt oder ob beide Veranstaltungen parallel weitermachen, bleibt offen.

Hoffentlich schlägt der Kraken wieder zu

Für mich wäre eine Fortsetzung des ElbRiot die richtige Entscheidung.

Das Festival hat eine klare Identität. Der Großmarkt funktioniert als Location. Die Mischung aus internationalen Namen und Bands aus der härteren Szene stimmt. Und die Ticketpreise können sich im Vergleich zu vielen anderen großen Open-Air-Veranstaltungen sehen lassen.

Vor allem aber fehlt Hamburg ein Metal-Festival dieser Größenordnung, das so zentral liegt.

Orden Ogan haben 2026 ihren Teil dazu beigetragen. Die Band lieferte auf dem Großmarkt genau das, was man von ihr erwartet: melodischen, druckvollen Power Metal mit großen Refrains und einer sichtbaren Spielfreude.

Für mich war der Auftritt deshalb auch fotografisch einer der Termine, die vom ElbRiot 2026 hängen bleiben.

Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass der Kraken 2027 wieder zuschlägt.

Denn solange Hamburg mehrere Festivals mit unterschiedlichen musikalischen Ausrichtungen verträgt, sollte auch für das ElbRiot ein Platz bleiben. Und nach einem Tag mit Orden Ogan, Danko Jones, Savatage und Powerwolf wäre es schade, wenn das Kapitel ElbRiot 2026 tatsächlich das letzte gewesen sein sollte.

Stand heute ist das aber ausdrücklich keine Nachricht über ein mögliches Aus. Es ist eine offene Frage. Und vielleicht kommt die Antwort ja schon bald.

Danke fürs Lesen. Punkt.

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