Savatage beim ElbRiot 2026

Eine Woche nach Wacken ganz nah dran

Es gibt Bands, bei denen man als Konzertfotograf froh ist, wenn man sie überhaupt vor die Kamera bekommt. Und dann gibt es Bands wie Savatage, bei denen man sich darüber freut, wenn genau das unter Bedingungen möglich ist, die einem die Arbeit aus dem Fotograben wirklich erlauben.

Am 8. August 2026 standen Savatage beim ElbRiot auf der Bühne des Hamburger Großmarkts. Für mich war dieser Auftritt dabei aus einem ganz besonderen Grund interessant. Nur wenige Tage zuvor hatte ich die Band bereits beim Wacken Open Air gesehen. Dort war fotografisch allerdings kein direkter Zugang zum Fotograben möglich. Beim ElbRiot bekam ich dagegen dankenswerterweise die Möglichkeit, Savatage aus unmittelbarer Nähe zu fotografieren.

Damit bot sich innerhalb weniger Tage zweimal die Gelegenheit, eine Band zu erleben, deren Rückkehr auf die europäischen Bühnen noch immer etwas Besonderes ist.

Savatage sind zurück

Savatage waren fast zwei Jahrzehnte lang eine dieser Bands, über die man irgendwann im Präteritum gesprochen hat. Die letzte reguläre Tour vor der langen Pause lag Jahre zurück. Dann kam 2025 das Comeback. Nach fast 20 Jahren ohne reguläre Europa-Tournee kehrte die Band auf die Bühnen zurück.

Und die Rückkehr war offenbar mehr als ein einmaliger Ausflug. 2026 folgte die „Prelude To Madness“-Tour mit zahlreichen Festivalauftritten und eigenen Konzerten. Zum aktuellen Line-up gehören Zak Stevens am Mikrofon, Al Pitrelli und Chris Caffery an den Gitarren, Johnny Lee Middleton am Bass und Jeff Plate am Schlagzeug.

Für viele Fans ist genau diese Besetzung ein wichtiger Teil des Comebacks. Vor allem die Kombination aus Zak Stevens, Al Pitrelli und Chris Caffery bringt verschiedene Epochen der Savatage-Geschichte auf eine gemeinsame Bühne.

Wacken und Hamburg, zwei Auftritte mit einem Unterschied

Mein erster Kontakt mit Savatage in diesem Festival-Sommer fand eine Woche vor dem ElbRiot auf dem Wacken Open Air statt. Die Band spielte dort am 30. Juli auf der Faster Stage.

Musikalisch war der Auftritt bereits dort ein Erlebnis. Fotografisch sah die Sache allerdings anders aus. Ein direkter Zugang zum Fotograben war bei diesem Auftritt nicht möglich. in Wacken bekommt man als Fotograf erstmal einen allgemeinen Fotopass, mit dem Du die auf dem Gelände uns alle Bühnen – mit Ausnahme „Louder“, „Faster“ und Harder. Für diese Bühnen und die jeweiligen Konzerte gab es in den meisten Fällen im Pressezelt die „Temporary Pit Passes“ für die jeweiligen Künstler. Ich ergatterte Danko Jones, Yngwie Malmsteen, Uli Jon Roth und Subway to Sally. Also eine ähnliche Liga, wie im letzten Jahr bei BAP, Kreator und Grave Digger. Für jemanden, der eine Bands nicht nur hören, sondern auch fotografisch dokumentieren möchte, macht das einen erheblichen Unterschied, ob ich aus dem Publikum oder aus dem Graben fotografieren darf. Drei Stücke lang Adrenalin, das beste Foto zu schiessen.

Beim ElbRiot war das anders.

Hier konnte ich dankenswerterweise direkt aus dem Fotograben arbeiten. Gerade bei Savatage war das eine schöne Gelegenheit. Die Bühne des Großmarkts bot ausreichend Raum für die Band, gleichzeitig war die Distanz zwischen Musikern und Fotografen angenehm gering.

Nach dem Wacken-Auftritt noch einmal eine Woche später unmittelbar vor der Bühne zu stehen, fühlte sich deshalb fast wie eine zweite Chance an.

Und die wollte ich natürlich nutzen.

Savatage beim ElbRiot

Das ElbRiot hatte Savatage zwischen Orden Ogan und den späteren Headlinern platziert. Gemeinsam mit Powerwolf, Thy Art Is Murder, Danko Jones, Signs of the Swarm, Warkings und Mambo Kurt gehörte die Band zum Tagesprogramm des Festivals.

Wer meinen vorherigen Bericht zum ElbRiot-Nachmittag gelesen hat, kennt die Zusammenstellung bereits: Orden Ogan eröffneten den Power-Metal-Teil des Tages, danach folgten Savatage und später die weiteren Höhepunkte des Festivals.

Gerade Savatage wirkten dabei wie ein Bindeglied zwischen klassischem Heavy Metal, Progressive Metal und der großen US-amerikanischen Metal-Tradition.

Und dann kam „Morphine Child“.

Der Song eröffnet das aktuelle Live-Set und gehört inzwischen zu den festen Punkten der Konzerte. Direkt danach folgte „Dead Winter Dead“. Die Setlist wechselte im Verlauf der Tour immer wieder, wobei neben den beiden Songs auch „Hall of the Mountain King“ als Abschluss gesetzt war.

In Hamburg standen unter anderem „Jesus Saves“, „Taunting Cobras“, „Sirens“, „Chance“ und „Hall of the Mountain King“ auf der Setlist. (Quelle SETLIST.FM)

Damit war klar, dass Savatage beim ElbRiot nicht einfach eine verkürzte Festival-Version ihrer Geschichte präsentierten. Die Band griff tief in ihren Katalog.

Zak Stevens bleibt der Mittelpunkt

Zak Stevens ist dabei eine der prägenden Figuren des Auftritts.

Seine Stimme gehört untrennbar zu Alben wie „The Wake of Magellan“, „Dead Winter Dead“, „Handful of Rain“ und „Poets and Madmen“. Gerade Songs aus dieser Phase funktionieren live auch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung.

Stevens steht dabei nicht permanent im Mittelpunkt einer großen Showinszenierung. Er braucht keine übertriebene Bewegung. Seine Präsenz entsteht vor allem durch seine Stimme und die Verbindung zu den Songs.

Neben ihm stehen zwei Gitarristen, die bei Savatage seit Jahren für unterschiedliche Facetten des Bandsounds stehen.

Al Pitrelli liefert die präzisen, melodischen Gitarrenlinien, während Chris Caffery mit seiner eigenen Geschichte bei Savatage ebenfalls tief im musikalischen Fundament der Band steckt.

Und natürlich gibt es Momente, in denen beide Gitarren gemeinsam genau diesen Sound erzeugen, den man nach wenigen Takten als Savatage erkennt.

„Hall of the Mountain King“ als großer Schlusspunkt

Wenn eine Band wie Savatage ein Festivalpublikum mitnimmt, darf ein Song natürlich nicht fehlen.

„Hall of the Mountain King“ bleibt einer der ganz großen Klassiker der Band und bildete auch in Hamburg den Abschluss. (Setlist.fm)

Der Song stammt vom gleichnamigen Album von 1987 und gehört zu den Stücken, die den späteren Savatage-Sound bereits vorweggenommen haben. Was damals noch nach ambitioniertem US-Heavy-Metal klang, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer Mischung aus Metal, Progressive Rock, klassischen Arrangements und theatralischen Elementen.

Beim ElbRiot wurde daraus der passende Schlusspunkt.

Nach einem Set, das verschiedene Phasen der Bandgeschichte miteinander verband, verabschiedeten sich Savatage mit einem Stück, das auch für Besucher funktioniert, die nicht jeden Song des aktuellen Sets kennen.

Für mich war der Fotograben der eigentliche Unterschied

So sehr sich Wacken und ElbRiot musikalisch ergänzten, so unterschiedlich waren die beiden Termine für mich persönlich.

In Wacken konnte ich Savatage erleben. In Hamburg konnte ich Savatage erleben und fotografieren.

Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Für einen Konzertfotografen ist es keiner.

Gerade bei einer Band mit dieser Besetzung möchte man die Momente festhalten, in denen Zak Stevens ins Publikum schaut, Al Pitrelli und Chris Caffery gemeinsam an der Bühnenkante stehen oder die Musiker in den Lichtwechseln des Sets verschwinden.

Diese Bilder entstehen nicht aus der Entfernung.

Deshalb geht an dieser Stelle auch ein ausdrücklicher Dank an die Verantwortlichen des ElbRiot für die Möglichkeit, Savatage direkt aus dem Fotograben fotografieren zu dürfen.

Eine Woche nach Wacken bekam der Auftritt dadurch für mich noch eine ganz andere Perspektive.

Ein Festival, das Savatage verdient hat

Savatage passten hervorragend ins ElbRiot-Line-up.

Zwischen dem modernen Metal von Thy Art Is Murder und Signs of the Swarm, dem Power Metal von Orden Ogan und Warkings, dem Hard Rock von Danko Jones und dem späteren Headliner Powerwolf bildeten sie eine eigene musikalische Säule.

Das ElbRiot hatte damit auch 2026 wieder den Mut, unterschiedliche Spielarten harter Rockmusik nebeneinanderzustellen. Das Publikum musste sich nicht auf einen einzigen Stil festlegen.

Savatage lieferten dabei genau das, was man von ihnen erwarten durfte: Klassiker, progressive Strukturen, große Melodien und eine Band, die nach ihrer langen Bühnenpause sichtbar wieder Spaß an ihren Auftritten hat.

Dass ich sie innerhalb von nur etwas mehr als einer Woche zweimal sehen durfte, war dabei schon ein wirkliches Privileg.

In Wacken aus der Distanz. In Hamburg direkt vor der Bühne. Und diesmal mit der Kamera im Anschlag.

So darf ein Festival-Sommer gerne aussehen. Und noch ist er nicht vorbei.

Danke fürs Lesen. Punkt!

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