Mister Flying V ist im Haus. So könnte man sicherlich titeln und es beschreibt aber sehr genau, was man an diesem Abend bekommt. Michael Schenker, der vermutlich nicht mal weiß, dass es andere Gitarrenformen, als die „V“ – von welchem Hersteller auch immer – gibt. Nach 18 exklusiven Jahren mit Dean Guitars wechselte Schenker 2023 wieder zurück zu den Wurzeln: Wie schon in den 70ern ist er jetzt wieder mit den originalen Gibson Flying V zu sehen und hören.

Bekanntlich zeichnet sich Schenker neben vielen anderen Titeln auch als Autor der Hymne Doctor Doctor gemeinsam mit Phil Mogg von UFO verantwortlich. Und wem es nicht reicht, einen der nachweislich besten Gitarristen live zu sehen, für den sollte schlussendlich die Rockhymne Grund genug sein ,sich die Tour anzuschauen.
Michael Schenker!
Mit dem Namen verbinde ich meine ersten Scheiben im Hardrock-Genre. Und nicht nur UFO, auch bei den Scorpions hinterließ er seine Genialität. Wer einmal Lovedrive, Another Piece of Meat oder Coast to Coast von den Scorpions in voller Länge gehört hat weiß, warum die Ozzy, Whitesnake, Aerosmith und sogar die Stones ihn als Gitarristen angefragt haben. Aufgrund seines Wunsches, ausschließlich seine eigene Musik zu spielen, lehnt er diese Angebote allerdings immer ab und stieg – bis auf wenige Ausnahmen – lediglich als Session-Musiker bei anderen Bands ein.
U.F.O.
Und genau hier kam vor 54 Jahren U.F.O. ins Spiel, bei denen sich Schenker zwischen 1972 und 1978 sein Brot verdiente und einige seiner bekanntesten Stücke schrieb. The German Wunderboy, wie er in der Szene genannt wurde, soll sowohl Edward Van Halen, als auch Zakk Wylde, den inzwischen verstorbenen Randy Rhodes oder auch Kirk Hammett von Metallica musikalisch beeinflusst haben.

Den ersten Teil der Tour durfte ich letzten Sommer in Wacken hören und fotografieren. Ein halbes Jahr später sollte ich erneut die Möglichkeit haben. Scorpions-Urgestein, UFO-Mitglied und Mister Flying V erneut vor das Objektiv zu bekommen. Diesmal nur nicht mit dem Tele auf der entfernten Festivalbühne, sondern eher intim und nah in der Großen Freiheit 36 an der Hamburger Reeperbahn.


Erstaunlich, dass der Hamburger Club nicht ausverkauft war. Drei Supportbands waren angekündigt, Michael on Top und das Paket für etwas weniger als 60 Euro war nun wirklich kein Grund auf gute Musik zu verzichten.
Die Supportbands des Abends waren Malvada. Die Female-Band, die ich aus Termingründen leider nicht sehen konnten, wurde gefolgt von meinem Highlight des Abends, der Band Rook Road und The Night Eternal. Letztere scheinen auch in Hamburg schon einen gewissen Bekanntheitsgrad und Fankreis zu haben, oder es lag einfach nur an der Musik. Ein wenig düster, aber lupenreiner Metal.
Zu Rock Road an anderer Stelle mehr. Ich fand die Jungs so klasse, dass ich sie für eine der nächsten Folgen zum Interview einladen möchte. Michael hatte ich leider so spät zu Interview angefragt, dass es zeitlich einfach nicht mehr passte. Schade, aber verständlich, dass er vor dem Gig nicht noch vor dem Rockcast-Micro sitzen wollte. Vielleicht klappt es zu einem anderen Zeitpunkt. Hatte ich doch kürzlich erst seinen Nachbarn und mit-Musiker Herman Rarebell von den Scorpions im Rockcast-Interview. Hier kannst du das Gespräch nochmals hören.
https://www.podbean.com/media/share/pb-tz8tg-190e9f5
Zurück in die Freiheit 36
Michael kam um kurz vor 22 Uhr auf die Bühne und nach dem Led Zeppelin-Song „Immigrant Song“ als Intro hatte er folgende Setlist im Gepäck:
Natural Thing
Only You Can Rock Me
Hot ’n‘ Ready
Doctor Doctor
Mother Mary
I’m a Loser
This Kid’s
Lights Out
Love to Love
Let It Roll
Can You Roll Her
Reasons Love
Rock Bottom
Zugabe
Shoot Shoot
Too Hot to Handle


Alles in allem zeigte Michael, dass er auch mit 71 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ein gelungener Sonntagabend auf dem Hamburger Kiez. Mit kaltem Bier und viel Musik. Danke dafür!
Danke für´s Lesen! Punkt!