Smith & Kotzen – Blues, Gitarren-Legenden und Maiden-Feeling an einem Abend

Gitarrenmagie auf der Großen Freiheit

Wenn zwei Gitarristen mit Weltkarrieren gemeinsam auf Tour gehen, ist die Erwartung hoch. Am 5. März brachte das Duo Smith/Kotzen seine aktuelle Tour ins Hamburger Grünspan auf der Großen Freiheit. Anfang 2000 hatte ich Adria zuletzt ohne Maiden gesehen. Heute, gute 25 Jahre später freute ich mich auf einen Abend, der vor allem eines zeigte: zwei Musiker, die ihre Liebe zum klassischen Rock mit virtuosem Gitarrenspiel und spürbarer Spielfreude zelebrieren. Unfassbar, wie gut diese beiden Legenden harmonierten.

    

Hier standen keine distanzierten Stadionstars auf der Bühne, sondern Musiker zum Greifen nah. Die Ticketpreise lagen im Vorfeld bei rund 66 Euro. Für einen Abend mit zwei Gitarrenikonen und einer hochklassigen Band ein absolut fairer Preis.

Iron-Maiden-Legende mit Gefühl für Melodien

Adrian Smith gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Gitarristen des Heavy Metal. Als Mitglied von Iron Maiden schrieb er Klassiker wie „Wasted Years“, „2 Minutes to Midnight“ oder „Flight of Icarus“. Smith steht für melodische Gitarrenlinien, klare Harmonien und ein Songwriting, das stets im Dienst des Songs steht.

Seine Karriere begann Ende der 1970er Jahre in der New Wave of British Heavy Metal. Mit Iron Maiden wurde er Teil einer der erfolgreichsten Metalbands der Welt. Nebenbei veröffentlichte er immer wieder Soloprojekte, etwa Adrian Smith and Project oder später Primal Rock Rebellion.

Bei Smith/Kotzen zeigt Smith eine andere Seite seines musikalischen Spektrums. Blues, Classic Rock und Soul fließen deutlich stärker in den Sound ein. Live wirkt er konzentriert, präzise und souverän. Seine Soli kommen nicht als technisches Feuerwerk daher, sondern als melodische Geschichten.

Virtuose mit Blues- und Soulstimme

Der zweite Kopf des Projekts bringt eine ebenso beeindruckende Karriere mit. Richie Kotzen machte sich Anfang der 1990er Jahre zunächst als Gitarrist von Poison einen Namen. Später spielte er bei Mr. Big und baute parallel eine erfolgreiche Solokarriere auf.

Kotzen ist nicht nur ein herausragender Gitarrist, sondern auch ein außergewöhnlicher Sänger. Seine Stimme bewegt sich irgendwo zwischen Blues, Hard Rock und Soul und gibt den Songs von Smith/Kotzen eine ganz eigene Farbe.

Auf der Bühne im Grünspan wird schnell klar, dass Kotzen ein Musiker ist, der Technik und Gefühl perfekt verbindet. Seine Gitarrenläufe sind schnell und präzise, gleichzeitig bleibt alles musikalisch. Gerade in den bluesigen Passagen zeigt er seine ganze Klasse.

Eine Rhythmussektion mit Druck

Live sind Smith und Kotzen nicht allein unterwegs. Die Rhythmussektion trägt entscheidend zum Sound der Show bei.

Am Bass steht Julia Lage, eine Musikerin mit starkem Groove und souveräner Bühnenpräsenz. Sie sorgt dafür, dass die Songs nicht nur technisch funktionieren, sondern auch Druck entwickeln.

Am Schlagzeug sitzt Bruno Valverde, vielen Metal-Fans als Drummer der brasilianischen Band Angra bekannt. Sein Spiel ist kraftvoll, dynamisch und stets songorientiert. Gerade in den härteren Songs treibt er die Band spürbar nach vorne.

Gemeinsam wirkt das Quartett erstaunlich eingespielt. Die Songs leben vom Wechselspiel der beiden Gitarristen, während Bass und Drums das stabile Fundament liefern.

Clubatmosphäre mit viel Nähe zur Band

Das Grünspan gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Rockclubs Hamburgs. Rund 800 Besucher passen in den Saal, und an diesem Abend war der Club entsprechend gut gefüllt.

Viele Gitarrenfans standen direkt vor der Bühne und beobachteten jedes Solo. Die Stimmung war von Anfang an intensiv. Das Publikum reagierte auf jede musikalische Wendung und feierte besonders die längeren Gitarrenpassagen.

Der Sound im Club war druckvoll und klar. Gitarren, Bass und Schlagzeug kamen sauber getrennt aus der Anlage, ohne dass der typische Clubcharakter verloren ging. Genau diese Nähe zwischen Band und Publikum machte den Abend besonders.

Die Setlist des Abends

Der Abend konzentrierte sich stark auf das aktuelle Album „Black Light / White Noise“, das in Großbritannien sogar Platz 1 der Rock- und Metal-Charts erreichte. Gleichzeitig fanden auch Songs des Debüts ihren Weg ins Set.

  • Life Unchained
  • Black Light
  • Wraith
  • Glory Road
  • Hate and Love
  • Blindsided
  • Taking My Chances
  • Outlaw
  • Darkside
  • Got a Hold on Me
  • White Noise
  • Scars
  • Running
  • Solar Fire

Encore

  • You Can’t Save Me
  • Wasted Years

Besonders der letzte Song sorgte für Begeisterung. Mit „Wasted Years“ gab es einen kleinen Gruß aus der Iron-Maiden-Geschichte von Adrian Smith. Das Publikum im Grünspan sang den Refrain lautstark mit.

Gitarren, Groove und echtes Rockgefühl

Was dieses Konzert besonders machte, war die Balance. Smith und Kotzen sind beide herausragende Gitarristen, aber keiner versucht den anderen zu übertrumpfen. Stattdessen entsteht ein musikalischer Dialog.

Mal übernimmt Smith das Solo, während Kotzen den Groove hält. Im nächsten Song tauschen sie die Rollen. Dazu kommen zweistimmige Gesänge, die überraschend gut harmonieren.

Gerade Songs wie „Black Light“, „Outlaw“ oder „Solar Fire“ funktionieren live hervorragend. Sie verbinden modernen Hard Rock mit klassischen Einflüssen aus Blues und Soul.

Ein Clubkonzert mit Starfaktor

Der Abend im Grünspan zeigte, warum dieses Projekt für viele Rockfans so reizvoll ist. Zwei Musiker mit jahrzehntelanger Erfahrung stehen gemeinsam auf der Bühne, spielen Songs ohne große Showeffekte und konzentrieren sich auf das Wesentliche: Musik.

Für die Fans im Hamburger Club war das genau der richtige Ansatz. Gitarren, Groove, starke Songs und ein Publikum, das jeden Ton feiert.

Ein Konzert, das zeigte, wie gut klassischer Rock im Clubformat funktioniert – und warum Smith/Kotzen inzwischen zu den spannendsten Kooperationen im modernen Rock gehören.

Danke für´s Lesen. PUNKT!

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