Rockmusik lebt von großen Persönlichkeiten. Manche stehen auf der Bühne, andere halten ihre Geschichte fest. Der Maler Ole Ohlendorff gehört zu den Künstlern, die Rockgeschichte auf Leinwand bringen. In seinem Atelier in Lüneburg entstehen Porträts von Musikern, die Generationen geprägt haben. Seine Serien über Rocklegenden machten ihn weit über Norddeutschland hinaus bekannt.
Im Rahmen des Rockcast-Podcast durfte ich Ole Ohlendorff im Ateilier 3 besuchen und mit ihm einen ganzen Nachmittag über Kunst, den Kiez und sein Leben sprechen. Spannend und wahnsinnig Informativ hätte der Nachmittag durchaus noch 5 Stunden länger sein könne.

Vom Polizisten zum Künstler
Geboren wurde Ole Ohlendorff am 26. Februar 1958 in Winsen an der Luhe bei Hamburg als Andreas Ohlendorf. Seine Jugend verbrachte er in der Region der Lüneburger Heide. Der Weg zur Kunst begann nicht im Atelier, sondern in Uniform. Mit 17 Jahren zog er nach Hamburg und arbeitete mehrere Jahre als Polizeibeamter – unter anderem auf der berühmten Davidwache auf St. Pauli.
Die Jahre im Umfeld von Reeperbahn, Nachtleben und Musikszene hinterließen Spuren. Nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst begann eine Phase intensiver Neuorientierung. Ohlendorff arbeitete in unterschiedlichen Berufen, unter anderem als Roadie, Koch, Werftarbeiter oder Kurierfahrer. Gleichzeitig entwickelte sich seine Leidenschaft für das Zeichnen.
Mitte der 1980er-Jahre entstanden in einer Dachwohnung am Lüneburger Stintmarkt seine ersten ernsthaften Arbeiten. Zunächst waren es Bleistiftzeichnungen von Motorrädern und Szenen aus der Rock- und Bikerszene. Die Kunst wurde immer wichtiger. 1990 entschied sich Ole endgültig für den Weg als freischaffender Künstler. Nicht ohne den Einfluss seiner Frau und mit Hilfe des echten Königs von Sankt Pauli.
Autodidakt mit eigener Handschrift
Ole Ohlendorff studierte nicht an einer Kunsthochschule. Er brachte sich Technik und Stil selbst bei. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Neorealismus, Pop-Art und expressiver Porträtmalerei. Er arbeitet mit Öl, Acryl, Kohle oder Rötel und ergänzt manchmal mit Schellack, Heimaterde und einmal auch mit dem Eisernen Kreuz. Die Geschichte hörst Du im aktuellen Rockcast!.
Seine Porträts zeigen nicht nur ein Gesicht. Sie zeigen Charakter, Haltung und Geschichte. Genau dieser Ansatz prägt auch sein bekanntestes Projekt.

„Dead Rock Heads“ – Die Galerie der verstorbenen Rockstars
1996 begann Ohlendorff mit einer Serie, die ihn international bekannt machte. Unter dem Titel Dead Rock Heads malt er Porträts verstorbener Musiker aus Rock, Blues, Punk, Jazz oder Soul. Jedes Bild versteht sich als Hommage an einen Künstler, dessen Musik Generationen geprägt hat. Begonnen hat alles mit John Lennon.
Die Werke haben meist ein Format von 80 x 130 cm und wirken bewusst reduziert. Der Blick richtet sich direkt auf das Gesicht der Musiker. Über die Jahre entstand eine umfangreiche Sammlung von inzwischen 179 Porträts.
Zu den dargestellten Künstlern gehören unter anderem:
- David Bowie
- Johnny Cash
- Jimi Hendrix
- Lou Reed
- Prince
- Udo Jürgens
- Ace Frehley
- Lemmy
- und tatsächlich auch James Last, der alte Rocker.
Die Serie funktioniert wie eine visuelle Rock-Hall-of-Fame. Jede Leinwand erzählt ein Stück Musikgeschichte.
Beispielsweise hat er Kurt Cobain gemalt. Den Blick leicht nach unten, Zigarette in der Hand und dann ging´s ab mit dem Bild und einer Schrotflinte aufs Feld. Die ganze Geschichte dahinter und warum der Abstand elf Meter zwischen dem Bild und der Schrotknarre war, hörst du im Gespräch mit Ole im Rockcast.

Rock Legends Alive – Die lebenden Ikonen
Nach den Porträts verstorbener Musiker entwickelte Ohlendorff das Konzept weiter. Die Serie Rock Legends Alive zeigt Künstler, die weiterhin aktiv sind oder die Musikgeschichte bis heute prägen.
Mit beiden Serien entsteht eine besondere Form der Dokumentation. Musikgeschichte erscheint nicht nur in Tonaufnahmen oder Büchern, sondern auch als Kunst.
Mancher Musiker kennt diese Bildserie noch nicht. Wenn Ole mit der Kamera im Fotograben steht, wirkt die Situation für einige zunächst ungewohnt. Es erinnert an das alte Bild aus Westernfilmen: Der Cowboy, dem vor dem Duell schon einmal Maß genommen wird, für den Sarg. Genau so fühlen sich manche Künstler im ersten Moment, wenn sie erfahren, dass Ohlendorff Porträts verstorbener Rocklegenden malt.
Ausstellungen zwischen Galerie und Festival
Ohlendorffs Werke sind nicht nur in klassischen Galerien zu sehen. Sie tauchen auch dort auf, wo Rockmusik lebt. Seine Bilder wurden unter anderem präsentiert bei:
- Hamburger Kiez
- Popmuseum Gronau
- Baltic Blues Festival Eutin
- Musikmesse Hamburg
- Burg Herzberg Festival
- Popkomm Berlin
- Wacken Open Air
Diese ungewöhnliche Mischung aus Kunst und Musikszene prägt seine Karriere. Seine Arbeiten sprechen Sammler genauso an wie Fans von Rockmusik.
Gesichter einer Stadt – Kunst aus der Region
Neben den Musikerporträts arbeitet Ohlendorff immer wieder an regionalen Projekten. Ein Beispiel ist die Serie Gesichter einer Stadt. Dafür porträtierte er Menschen aus Lüneburg und Umgebung. Die Ausstellung zeigte Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen.
Hier richtet sich der Blick nicht auf internationale Stars, sondern auf Menschen aus der eigenen Stadt. Auch diese Arbeiten zeigen Ohlendorffs Interesse an Persönlichkeit und Ausdruck.
Atelier in der KulturBäckerei Lüneburg
Heute arbeitet Ole Ohlendorff in seinem Atelier in der KulturBäckerei Lüneburg. Das Gebäude gehört zu den wichtigsten Kulturorten der Stadt. Besucher können dort seine Arbeiten sehen und mit dem Künstler ins Gespräch kommen.
Von hier aus organisiert er Ausstellungen, Projekte und neue Serien. Gleichzeitig bleibt das Atelier 3 (s)ein klassischer Arbeitsplatz: Leinwände, Farben, Skizzen und Musik bestimmen den Alltag.
Auszeichnungen
Für seine künstlerische Arbeit erhielt Ole Ohlendorff mehrere Ehrungen. Besonders wichtig sind:
- Kulturpreis des Landkreises Harburg („Blauer Löwe“) – 2009
- Uwe-Lüders-Kunststipendium – 2023
Die Preise würdigen sowohl sein künstlerisches Werk als auch seinen Beitrag zur regionalen Kulturszene.
Kunst zwischen Leinwand und Rockgeschichte
Ole Ohlendorff verbindet zwei Welten: die bildende Kunst und die Geschichte der Rockmusik. Seine Porträts wirken wie Erinnerungsstücke an Musiker, deren Songs bis heute gespielt werden.
Während Rockfans die Gesichter ihrer Idole wiedererkennen, entdecken Kunstliebhaber eine eigenständige Form der Porträtmalerei. Genau diese Verbindung macht Ohlendorffs Arbeiten so besonders. Seine Bilder sind nicht nur Kunstwerke. Sie sind auch eine Hommage an die Musik.
Und natürlich sind fast alle Objekte auch käuflich zu erwerben.

Weitere Informationen und aktuelle Projekte: www.ohlendorff-art.de
Danke für´s Lesen und Hören. PUNKT!
